Teil1: Integration, Inklusion und Assimilation

Integrationsstudie - Teil1: Integration, Inklusion, Assimilation & gesellschaftliche Teilnahme
#offenegesellschaft#gerechtigkeit

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Integrationsstudie - Teil1: Integration, Inklusion, Assimilation & gesellschaftliche Teilnahme

Aus der Studie „Integration und Good Practice im europäischen Vergleich“ veröffentlichen wir hier das Arbeitspapier EINS. Die Studie wurde von uns, Bildungsverein – Offene Gesellschaft, in Auftrag gegeben. Sie gliedert sich in fünf Arbeitspapiere.

Das erste Arbeitspapier diskutiert Integration, Inklusion und Assimilation als Grundlagen gesellschaftlicher Teilnahme. Es wird aufgezeigt, dass Österreich ein Einwanderungsland ist und dass ein Assimilationskonzept nicht der Realität der österreichischen Migrationsgesellschaft entspricht. Ein konstruktive Integrationspolitik, die auf Inklusion ausgerichtet ist, wäre in Österreich als moderne und demokratische Gesellschaft in Europa ein politisches Handlungsfeld.

Denn die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Vielfalt ist nicht der Sonderfall, der in Sonderpolitiken behandelt wird oder werden sollte. Gesellschaftliche Vielfalt ist – angesichts von fast einem Viertel Einwohner/- innen mit Migrationshintergrund in Österreich – eigentlich die Regel und demnach auch so zu behandeln.“

Die Studie von „SORA – Institute für Social Research and Consulting“ (Institutsleiter Günther Ogris und Researcher Christian Glantschnigg) gliedert sich in fünf Arbeitspapiere, die hier im Zeitraum August – September 2019 nacheinander vorgestellt werden.

Untenstehend findet Ihr den Download zum Arbeitspapier #1.

Im Folgenden die Zusammenfassung des Arbeitspapiers EINS.

Wie gezeigt wurde, ist das Konzept der Assimilation wenig geeignet fur den gesellschaftlichen Umgang mit Vielfalt und die Ermöglichung von Teilnahmechancen an der Gesellschaft und ihren Ressourcen. Zu hart sind die Prämissen, die diesem Konzept vorausgehen (wie bspw. die einer mehr oder weniger homogenen „Mehrheitsgesellschaft“, die oftmals nicht der Realitat entspricht) und zu stark wird die Verantwortung jenen zugeschoben, deren Handlungsfähigkeit ohnehin begrenzt ist (oder die sich vielleicht gar nicht anpassen können). Im Gegenzug werden gesellschaftliche Strukturen und Institutionen im Assimilationsansatz kaum berührt.

Gesellschaft ist als Migrationsgesellschaft zu sehen, die sich durch Zu- und Auswanderung standig selbst verändert. Das betrifft zwar auch das Bild, das von einer Gesellschaft und ihren Mitgliedern besteht, bezieht sich aber vornehmlich auf die gesellschaftlichen Strukturen und Systeme auf der Makroebene. Der Löwenanteil an Anpassungsleistung in der Migrationsgesellschaft erfolgt daher auf gesellschaftlicher Ebene und nicht auf individueller Ebene.

Die Integration von Migrant/-innen (aber auch anderen Mitgliedern der Migrationsgesellschaft) findet entlang festgelegter Dimensionen der Integration statt; konkret betrifft das die strukturelle Integration, die kulturelle Integration, die soziale Integration und die identifikatorische Integration. Die Integrationsprozesse laufen teilweise parallel und teilweise aufeinander folgend ab, jedoch immer mit Erwartungen an beide am Integrationsprozess beteiligte Seiten (Migrationsgesellschaft und Migrant/-in). Die Integration ist aber dabei nichts, was den Betroffenen gnädig gewährt wird (oder eben verwehrt wird, wenn sie sich den Disziplinierungsprozessen nicht unterwerfen). Vielmehr ist sie ein Anspruch, den Migrant/-innen stellten können. In ähnlicher Form wie Menschen mit Behinderung, Armutsgefährdete und Arme (und andere marginalisierte Gruppen) einen Anspruch darauf haben, ein gleichberechtigter Teil der Gesellschaft zu sein, können auch Migrant/-innen diesen Anspruch erheben. Eben weil sie schon längst Teil der Gesellschaft sind nur eben mit (teilweise) ungleichen Teilnahmechancen.

Denn die Auseinandersetzung mit gesellschaftlicher Vielfalt ist nicht der Sonderfall, der in Sonderpolitiken behandelt wird oder werden sollte. Gesellschaftliche Vielfalt ist angesichts von fast einem Viertel Einwohner/- innen mit Migrationshintergrund in Österreich eigentlich die Regel und demnach auch so zu behandeln. Heterogene Hintergründe und Migrationsbiographien sind keine gesellschaftlichen Defizite, sondern Potentiale und Chancen. Diese gilt es entsprechend zu nutzen.

red/RC